Am Rand und zwischen den Wetterfronten

Pv DrSJA

12.-15.Oktober 2020

Dieser Bericht hätte auch „Iceman 2020“ oder „Snowman 2020“ heißen können. Jedenfalls war die 14 tägige Wettervorhersage zuerst mal  total mies. Kein Sonnenstrahl und Temperaturen  um -10Grad waren vorhergesagt. Erst etwa 4 Tage vor Abfahrt tauchte der erste Sonnenstrahl auf der Wetterapp auf. Auch der Wintereinbruch am Alpenhauptkamm hatte nach Webcam keine Auswirkung auf der Alm. Dann die Ernüchterung am Tag davor: über Nacht . 20cm Neuschnee!

FUDP6OZQ

Anreise:

Im Dunkel-Trüb-Grau starte ich über München-Kufstein-Kitzbühel-Thunpass Richtung Felbertauerntunnel. Nach seiner Durchquerung war die Freude groß, endlich wieder mal die Sonne zu sehen. Spontan unternahm ich zuerst mal einen Abstecher Richtung Karls und Großglockner. Oben am Lucknerhaus auf 1900m die Paradeansicht vom höchsten Berg Österreichs. Leider steht er in der Wolkenglocke. Aber der Alpenhauptkamm hielt das schlechte Wetter ab!

odPo4vnA

Etwas östlicher auf der Emberger Alm war es noch etwas bewölkter. Erstaunlicherweise bekamen ich von den gemeldeten 60km/h Wind nichts mit. Die Beobachtungsplätze waren aber sehr eingeschränkt. Am Abend wurde es dann klar mit leicht böigen Wind und mächtiges Sternefunkeln.  Ich beschränkte bei diesem bescheidenen Seeing meine Beobachtungen auf die Suche nach einem geeigneten Standplatz für die nächste Nacht.Die Temperatur ging Nachts auf -2Grad und hinterließ auf den Autos eine Eisschicht.

334fd3FQ

Am zweiten Tag begann der Tag wieder mit Sonnenschein. Optimal traumhaftes Wanderwetter.  Die Sonne ließ aber auch den Schnee schmelzen und den Weg zum oberen Beobachtungsplatz auftauen und mit Pfützen anfüllen. Gegen Osten verlief heute die Wetterfront, die bis um Mitternacht  näherkommen sollte. Das mächtige Wolkenband schob sich langsam nach Nord. Wobei einzelne Schönwetterwolken im Vordergrund rasant nach Süd zogen.

eleokBHQ                                    Blick nach Süd

c Xglluw

In der ersten Beobachtungsnacht suchte ich Sichtschutz hinter einem größeren Wohnmobil. dadurch konnte ich das meiste Licht der Umgebung abschirmen. Temperatur war von 3 auf 0 Grad fallend und einigermaßen guten Transparenz. Seeing  turbulent. Alls Dauerprojekt hatte ich eine immer länger werdende OdM Liste mit dabei.  Als Startobjekt war die NGC188 perfekt zum Warmzeichnen geeignet.  Der Sternhaufen war im Cepheus gleich gefunden. Ein hellerer Hintergrund läßt noch eine größere Sternenanzahl vermuten.

NGC188 / Ein Sternhäufchen am Himmelsnordpol

c rwkoKA

Als nächstes standen die 3 GXˋen NGC 2276/NGC2300 und die IC455 in direkter Nachbarschaft im Cepheus auf dem Programm. Leicht anzusteuern und auffallend im Okular. Die 2300 ist die hellste der Drei mit einem größerem helleren Zentrum in der Mitte und rundem Halo. Die NGC2276 besitzt ein kleineres helleres Zentralgebiet in einem runden, nicht so hellem Halo. Keine Spiralstruktur erkennbar. Bei der IC455 ist Zentralbereich zuerst Stellar wahrnehmbar mit kleinem Halo. Sehr schöne Gx Gruppe mit ARP25 und ARP114 Bezeichnung.

NGC2276 -NGC2300 -IC455 / Galaxiendrilling am Himmelsnordpol

CZXtpWig

Seeingtest und Hochvergrößerungen an Cats Eye waren ernüchternd. Keine Schalen und mieses Bild bei 400x. Erstmals alle hoch zu vergrößernde PNˋs auf nächsten Tag verschoben. Bei der IC342  Galaxie war die Transparenz von der näher kommenden Front aus Ost auch schon ziemlich mau. 

Also schwenk nach Süd. Abell 72 war ja angefangen und wartete auf die Vollendung . Leicht anzusteuern und sehr schwer zu erkennen. Nur mit OIII und indirekt erkennbar. In dem indirektem Sehen konnte ich nur eine rundliche, schwache Form wahrnehmen. Gezeichnet mit und ohne OIII, Sterne bis 400x.

Abell 72 / ein Hauch von Nebel im Delphin 

vjYvzxIQ

Zum Abschluß noch einen sehr schönen, detailreichen Cirrus betrachtet.  Die Ostfront stand mittlerweile über mir und versaute mir langsam die ganze Transparenz. Feierabend! Der dritte Tag begann wieder mit Sonnenschein. Fast kein Wölkchen am Himmel. Wieder traumhaftes Wanderwetter. Zuerst mal nahm ich nochmals den Weg zum oberen Beobachtungsplatz in Augenschein. Es war schon einiges abgetaut, aber der Weg sehr feucht mit Pfützen. Mit einer Kehrschaufel entfernte ich das letzte Eis an einer kleinen Kuppe am Weg (nahe der Sternwarten) und hoffte, das es bis Abends besser abtrocknet. Wetterdaten für dieseNacht waren wieder spannend. Von Süd soll eine neue Front auf mich zusteuern. Aber der Satfilm zeigte von Nord eine Wolkenfront mit enormer Geschwindigkeit und Wolkenfülle auf den Hauptalpenkamm zusteuern. Blick nach Süd. Im Hintergrund eine Wetterfront aus Süd im Anflug.

uKywq1Rw

Die Nacht begann wieder mit Aufbau und Wetterbeobachtung. Bis Mitternacht sollte es wieder reichen.

dlK54yCA

Seeingstest bei Cat Eye brachte immer noch keine Schalen zum Vorschein. Bei Vergrößerung um 700x war es schon sehr grenzwertig.  Auch die Gx IC342 war nicht das erhoffte. Kern gut wahrnehmbar, aber keine Spiralarme erkannt. Zeichnerisch startete ich heute mit den PN  IC 3568 im Camel. Auch dieser war leicht über Starhopping zu finden. Er reagierte aber gar nicht auf Filter.  Ich meine sogar, der in der Nähe liegende Doppelstern HR4893 hat bei UHC reagiert. Der kleine PN wirkt am Anfang stellar. Bei Hochvergrößerung trennt sich ein rundes Halo um einen breiteren Kernbereich. Keine Filamente erkennbar. Der Zentralstern westlich erschien mir etwas aufgeblasen.

IC3568 / das Zitronenscheibchen am Himmelsnordpol

KFY 4AMg

Weiter ging es jetzt zum kleinen Hantelnebel. Auch von diesem hatte ich noch eine unvollendete Zeichnung in der Mappe. Im Übersichtsokular schon türkis-grün leuchtend ein schöner Anblick. Endlich zeigte er auch etwas von den seitlichen Ausläufern. Gezeichnet wieder als Sammelwerk mit UHC /OIIII für den Nebel und ohne für die Sternchen.

Kleiner Hantelnebel, M76 / farbenfroher PN im Perseus

UQXYz0Vg

Die dynamisch heran preschende Wetterfront  aus Nord  wurde wieder am Alpenhauptkamm gebremst. Die Südfront drückte mit sehr feuchter Luft  über die südlichen Berge und füllte das Drautal mit Nebel. Gegen Mitternacht war gegen Süd dann alles dunstig und Feierabend. Temperatur blieb bei +2Grad noch erträglich. Ich hoffe, ich konnte Euch etwas auf die kältere Jahreszeit einstimmen! 
Grüße an alle Werner-B

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.