Oder wieder mal auf der Suche nach einer Möglichkeit, einen klaren Himmel übers Teleskop zu bringen.

( BB vom 11-12.MAI2018 von Werner_B / Satzstellung erzeugt durch Frust)

Die Wetterdaten waren diesmal 2 Tage vorher viel versprechend. Aber je näher wir an den Termin kamen, desto weiter verlagert sich die Bewölkung Richtung Nachtstunden. Letzter Stand um 18:00Uhr meldete dann Bewölkung bis 00:30Uhr. Auf Satfilm war gebietsweise stark zunehmende Bewölkung im Alpenraum zu sehen, die nach Norden sich langsam ausbreitete. Dazu noch eine alte überlieferte Bauernregel: "Weht der Wind im Mai aus Süden, ist uns Regen bald beschieden" (Region unbekannt).

Also wieder mal auf Risiko gestartet, wobei es diesmal aus Mangel an klarem Himmel keiner Diskussion bedarf.

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Blick um kurz vor Neun aus Leutkirch ins Zielgebiet. 

Um 21:00h traf ich mich mit Walter auf der Hohen Adelegg. Die Mädels ( Muh Mehrzahl: Mühe) waren noch 200m tiefer weggezäunt und konnten uns diesmal nicht ärgern. Im Tal tobte dafür ein lautstarke Rave Party, mit fetten Beats und gelegentlichen aktuellen Hits. Die Bewölkung hatte den Zenit erreicht und nahm uns erstmals, gerade in der Dämmerung entstehende Sternenlicht. Zum Glück kein Wetterleuchten und kein Wind (aus Süd).

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Blick in den noch fast wolkenfreien Nordwesten

Aufgebaut und gleich mal ein Seeingtest am Eskimo. Bei 800x blieben der Stern nebenan in angenehmer Größe und die Kapuze bildete sich als ein Halo um den PN ab. Die Gesichtsschalen waren dezent erkennbar.ZS wie immer erkennbar, Seeing jedenfalls nicht schlecht und Transparenz mäßig.  Mittlerweile war dann alles zu bis auf einen kleinen Bereich am Kopf des Löwen und ein kleiner Bereich an der Hintertatze des großen Bären. Da starteten auch unsere ersten Beobachtungen diese Nacht. Ich war an der Tatze unterwegs und erkundete von der NGC3184, 3319, 3614,3675 langsam hoch zur NGC3726. Aber immer wieder ging die Transparenz verloren und erschwerte ein sinnvolles beobachten. Kurz vor 24:00Uhr war es dann komplett zu. Nichts ging mehr. Nun hieß es abwarten, ob wir noch klaren Himmel bekommen. Um kurz vor 1h öffnete es sich wieder von Osten her und wir konnten beginnen. Bei mir stand diesmal wieder eine wilde Auswahl von GXen auf dem Programm.

Begonnen habe ich mit der NGC4759. Schon die Bezeichnung sorgte bei der Zeichnungsbeschriftung für Verwirrung. Sie wurde von W. Herschel 1789 als einzelnes Objekt entdeckt, 1836 durch J. Herschel als zwei GXen erkannt,  dann mit A und B versehen und später in NGC4776 und 4778 umbenannt.  

NGC4776 / NGC4778 / Die doppelte Pusteblume

Zwei helle, gleich ins Auge springende Galaxie Kerne. Halo um die beiden Kerne konnte nicht eindeutig zugeordnet werden. Irgendwie fließender Übergang. Begleitgalaxie NGC4761 ohne weiteren Details als breiteres Band erkennbar. 

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Als nächstes GXen Paar stand die NGC5426 / 5427 auf dem Plan. Eine schöne Doppelgalaxie mit einigen Details auf dem Foto ähnlich M51. Der Anblick enttäuscht aber. Transparenz war auch im Süden merklich schlechter geworden. Jedenfalls in meinen Hochalpin Ordner verschoben. Da muss mehr gehen.

Als nächstes zur Nadelgalaxie. Die fehlt mir noch unter sehr viel anderen. Im Tal ging es auch langsam dem Ende zu. Jetzt dröhnten Cocaine und Locomotive aus den 70er und bracht gleich ganz anderen Schwung ins Zeichnen.

NGC4565 / Die Haarnadel der Benerike

EdgeOn mit sehr hellem Kern. Staubband leicht zu erkennen. Kleine, leicht heller Bulge auf der Gegenseite. Enden spitz auslaufend. NGC4565A als kleines Band am Ende einer Sternenkette schwach erkennbar. 

ZNG078

Nächstes Ziel war der Galaxienhaufen um NGC5754, der sich als ARP297 entpuppte.  Zielgebiet gefunden, etwas erkennen können aber heute nicht für Zeichnung geeignet. 14mag ist heute maximale Grenze. Verschoben in Ordner Hochalpin! NGC4111 war meine nächste Zielgruppe. Viele kleine Galaxien tümmeln sich im Grenzgebiet zwischen den Jagdhunden und dem großen Bären. Mehrere gleichzeitig zu zeichnen war aber wegen fehlender Transparenz und die doch sehr kleinen Objekte nicht möglich. Daher entschied ich mich für die 4111 und 4117 mit den 2 Sternen dazwischen und ging in der Vergrößerung auf 300fach.

NGC4111 und NGC4117 / zwei dünne im Grenzgebiet

Heller Kernbereich bei der 4111. Enden spitz diffus auslaufend. Bei der NGC4117 nur minimal heller Kernbereich. Formähnlich wie bei der Gegenüber.

ZNG079

Von dort ging es gleich weiter zu IC-Galaxienhaufen IC749 –IC752. Die 751 und 752 wurden gleich wieder wegen fehlender Sichtbarkeit gecancelt.

IC749 – IC750 / Die Pusteblume ohne Kern

Schönes Paar ohne große Details. Hatte da nach Skysafari in der IC749 5Sterne und in der IC750 2 Sterne erwartet. Die 749 zeigte sich als  kernlose, runde Pusteblume und die 750er als GX in Kantenlage. Bei der 750 leicht hellerer Kernbereich nahtlos ins Halo übergehend.

ZNG080

Als nächstes ging es zur NGC5795. Eine GX in Kantenlage und einem markanten Stern an einer Spitze. Zielgebiet fokusiert und nichts gefunden. Im Hintergrund nahm ich so nebenher die ersten Abbaugeräusche von Walter wahr.Bei einem weiterem Blick nach Osten war alles klar. Die Blaufärbung zum Sonnenaufgang hat begonnen. Jagdabbruch!

Wetterdaten:

Temperatur so um 10°C, ,Transparenz von 0 bis 6m3, Seeing 1-2, Luftfeuchte ca. 45%. Gras blieb trocken. Eigentlich waren die Anfangsquerelen schnell vergessen und die Bauernregel die richtige Aussage zum Wetter......mai oh mai

Werner