Titelbild

Vorgeplenkel:
Der Januar ging dem Ende zu und noch kein einziges Mal "Draussen" gewesen. Langsam
wurde es „Eng“ und die Wetterprognosen für die kommende Woche waren auch nicht mehr
gut. Seit 3 Tagen waren wir in unserer Allgäu-Gruppe immer wieder in Kontakt, um das
nächste Treffen am Berg zu planen. Aber der hochstehende Nebel und die westlich
verlaufende Störungsfront machten uns jedesmal einen Strich durch die Rechnung.
Eine eifrige Suche nach Alternativen begann.

Lööösungen braucht das Land:
Walter kam dann um 11:36 Uhr mit dem Vorschlag Rossfeld. Oh, das wird wieder eine heftige
Nacht mit mindestens 3 Std Anfahrt und dementsprechender Heimreise. Aber die Nacht vom
letzten Kurztrip in der Silvretta war einfach zu fantastisch, um diese Anstrengung nicht auf
mich zu nehmen.
13min später sendete ich ihm ein cooles "Klar bin ich dabei" zurück.

Anfahrt:
14:45 Uhr war alles gepackt und los gings. 10km Landstaße, 7km A7 mit Stau auf der
Gegenseite, A96 freie Fahrt nach München, sehr zügig durch München, bis´chen mehr
Verkehr Richtung Bad Reichenhall und nach ca. 3 Std Fahrt die Ankunft am ersten Treffpunkt
in Bischofswiesen.

War natürlich wieder viel zu spät, um diese schöne Landschaft bei Tage zu sehen, aber ich
war trotz der Fahrt noch ziemlich entspannt und ausgeruht.
Bild 1


Nach einer halben Stunde war auch Walter (mein Scout) am Treffpunkt und führte mich im
Schlepptau, hoch an den ca. 1500m hohen Beobachtungsplatz.

Dort warteten auch schon Anne und Norman auf die hereinbrechende Dunkelheit ( vielleicht
auch auf uns?).
Jedenfalls wieder eine herzliche, standesgemäße Bergüßung. So wie sich das gehört!

Der Aufbau:
Ging eigentlich sehr schnell. Kein zu langes Geplauder oder sonstige Vertrödlungen.
In der Auskühlzeit brachte ich es auch noch fertig, bei meiner Kamera Abseits der Truppe den
Fokus einzustellen und die ersten Aufnahmen zu knipsen.
Bild 2

Bild 3


Zwischenzeitlich war auch Uwe eingetroffen und schon voll mit dem Aufbau beschäftigt.
Natürlich Standesgemäß begrüßt!
Aber wieder nicht gesehen, wie Uwe sei großes Pizzateller von Spiegel ins Teleskop wuchtet
und wo er die langen Teleskopstangen in seinem großen Kleinwagen transportiert. Muß
jedenfalls ziemlich ausgetüfftelt sein. Warten ich halt auf´s nächste Mal.
Bild 4

Die Nacht, die Aktivität und die Ergebnisse:
Jetzt zu den Fakten. Da ich mal wieder kurzentschlossen zusagte, war meine Vorbereitung
dementsprechend: Kurz und knackig (man könnte auch fast nicht vorhanden dazu sagen).
Jedenfalls stand das OdM Januar noch aus und irgendwo hatte ich noch Objekte für den
Januar abgespeichert. DSS wären, wie schon gelernt, mal wieder hilfreich gewesen.
Erstes Objekt: Sirius zum Finder justieren, zweites Objekt: Orion Nebel um Auskühlung vom
Spiegel zu testen. Ja das Trapez war schon ordentlich im 13er aufgelöst ( 6 Komponenten )
Danach Seeing checken nach meiner eigenen Art.: Eskimo Nebel  800x.
Ja , Seeing war gut aber noch nicht perfekt, um meinen persönlichen Lieblings PN aufs Papier
zu bringen. Da muss beim Seeing eine 1 stehen.
Aber trotzdem kam die Gesichtsschale schon sehr deutlich heraus und die Kapuze stahlte
sanft, flächig nach aussen ab.
Daher: Seeing 1-2

Thors Helm / OdM Januar 17:
Einstieg über Muliphein und Starhopping zum Sternhaufen NGC2360 ins Zielgebiet. Der
oberer Ausläufer und die fast kreisrunde Helmstruktur fallen mit dem etwas nach unten
versetztem Zentralstern gleich ins Auge. Der untere Flügel wurde von den darin befindlichen
Sternen etwas überblendet. Aber nach kurzer Zeit konnte man den Ausläufer eindeutig sehen.
Der obere, südlichere Flügel läuft diffus aus. Die zweite ( auch als Schneckenfühler
bezeichnet) feinere Abschweifung konnte ich nicht erkennen.
Bei 320x konnte ich die nördlich an der Ringerhellung sitzenden 4 Sterne (bei 120x waren es
nur 2 eindeutige) auflösen.
ZNG030
Danach den Fledermaus-Nebel bei Walter am 24"er geschaut. Ja, neblige Struktur. Geht mehr
in die „ mal länger betrachten um alles zu sehen" Kategorie.

NGC 2419 / der Intergalaktische Wanderer:
Ein Sternhaufen mit 300 000 Lj Entfernung im Luchs.
Sehr schwach sichtbarer Kugelsternhaufen, hab ihn trotzdem bis 720x vergrößert.
In keine Einzelsterne auflösbar, aber im gesamten flächig und gut erkennbar.
ZNG031

Zwischendurch dieTruppen-Parade:
Bild 5
Walter war links neben mir ohne ARGONAVIS auf Hickson Kurs. Ich glaub, er trainiert schon
für Südafrika. Aber es Klang in akzeptablen Abständen erfolgreich.
Ich wollte mir aber in dieser Nacht nicht daran die Augen verbiegen,
nur zeichnen und unter alpinem Himmel schon bekannte Objekte neu erkunden.
Bild 6

Bei Uwe rechts von mir, war konzentriertes Arbeiten angesagt. Habe öfters mal zu Ihm rüber
geschaut,  was er so treibt. Zwischendurch durfte ich auch mal durchschauen: Ja,
lichtschwache Objekte und akribische Notizen. Ist schon noch ein paar Stufen
anspruchsvoller, als das was ich so betreibe!

Uwe`s Ergebnisse von diesen Nächten (Update vom 6.2.2017)

Am rechten Aussenflügel war totale Stille, und totale Konzentration. Nur Norman folgte
zwischendurch den "Hick´s Komponenten - Verlockungen“ von Walter.

Bild 7
Und ein Selfie mit Gelage Übersicht
Bild 8

NGC3242 / Ghost of Jupiter
Das schönste Objekt bei mir in dieser Nacht.
Schon im Übersichtsokular war eine wunderschöne, smaragdfarbene Aufhellung zu sehen.
Wie dieser Juwel zu diesem Namen kam, ist mir ein Rätsel.
Bei 720x sehr schöne, ovale innere Schale mit einer Verdickung am nördlichen Ende. Hab mal
wieder ohne Filter geschaut und evtl. noch weitere Feinheiten übersehen. Diesen werde ich
mir aber mit Sicherheit noch öfters einstellen.
ZNG032
Links von mir lief Walter in Hochform auf. Immer schneller wurden die Hick´s angesagt. Da
ging ein voller Hickson Marathon ab. Norman war zwischenzeitlich (fast?) Dauergast bei
Walter und hatte sein Programm bestimmt schon über Bord( oder besser den Abhang runter)
geworfen. Bin schon gespannt, was er in seinem Bericht darüber schreibt.

Als nächstes suchte ich mir eine schöne GX Ansammlung im Löwen zum Zeichnen.
M105 / NGC3371 / NGC3372:
Frei Auge angepeilt.  Jedenfalls ein schönes Objekt mit Begleitern für meine
Zeichensammlung,  in 32 Millionen Lichtjahren Entfernung. Keine Staubbänder oder
besondere Strukturen erkennbar.
M105 mit extrem hellen Kern mit rundem Halo.
NGC 3371 ,mit extrem hellen Kern und elliptischem Halo (aber  etwas runder wie auf
Zeichnung dargestellt.).
NGC 3373 schwache, diffuse Struktur.
ZNG033
Nach diesen helleren GX`en  war ich wieder bereit für etwas Kleineres.
Ziel war die Antennengalaxie NGC4038/39 im Raben.
Entfernung ca 16 Millionen Lichtjahren. Nördliche GX minimal heller und leicht größer als die
Südliche.   Von den Antennen (siehe auf Zeichnung rechts unten) war aber erwartungsgemäß
 nichts zu sehen.
ZNG034

Dann gings weiter zu Abell 31 im Krebs mit einer 12,0mag Helligkeit. Mindestens  5x
angefahren um Position genau zu bestimmen. Vergrößerung zwischen 40x und 140x und OIII.
Ging mal davon aus, das er grösser sein musste und trotzdem nicht gesehen.
Ja, DSS Bild hätte mir da bestimmt weitergeholfen.
Gefrustet zog ich dann Richtung M53 und NGC5053 zu den Kugelsternhaufen ab, um wieder
Licht zu tanken. Immer wieder schön anzuschauen.
Danach rechtsschwenk in die Jungfrau. Dort genoss ich die prächtigen GX Ansammlungen mit
den Gedanken, was da zeichnerisch noch entstehen könnte.
Kurzer, erster Blick auf Jupiter musste zum Schluss auch noch sein. Ja er war blendend.

Gegen 4:30 packte ich zusammen, verabschiedete mich und fuhr zum Frühstücken nach
Hause.  (dauerte aber viel länger wie es der Satz darstellt)


Bedingungen:
Ich schätzte die Dunkelheit auf ca. 6,5mag. Kann aber auch +0,2 daneben liegen.
Luftfeuchtigkeit 20% bis kurzzeitige 11%. Von Norman gemessen.
Seeing in meinem persönlichen Eskimovergleich zwischen 2 und kurzzeit 1-2.
Aufhellungen von Salzburg in Ostrichtung. Von Nord aus Berchtesgaden nicht störend.
Vermutlich hat Uwe bei seiner Anfahrt heimlich dem Skilift im Norden das Licht ausgeschaltet.
Könnte jedenfalls mit seinem verspäteten Eintreffen erklärt werden und würde zeitlich passen.

Geräusche der Nacht:
Keine Maus, kein Fuchs, kein Gams (Oberbayern!), kein Hirschen oder Bären gehört. Auch
kein knackiger Biss in eine Spreewaldgurke.
Nur öfters das zarte knacken von Vollmilchschokolade und Ansagen von Hick´s Nummern mit
Komponenten.


Résumé:
Tolle Nacht, sehr guter Winterplatz, super Mitbeobachter/in, klasse Stimmung und wie immer
fantastische Schockolade von Uwe.
Danke nochmals an alle für diese klasse Nacht und auf ein Wiedersehen in irgendeiner
stockdunklen Ecke (die mit Auto zu erreichen ist).

Viele Grüße


Werner

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