Leuchtende Nachtwolken, störende Wiederkäuer und 4 Stunden geplegter Deep Sky

Prolog:

Am 3.7. ging ich mal wieder seit 3 Monaten abstinenter Zeit ohne jegliche Deep Sky Nacht Richtung Allgäu. Die Wettervoraussagen ware auf meiner Seite. Mit von der Partie war Andreas F., der nach fast 2 Jahren Pause mal wieder Deep Sky Luft schnuppern wollte. Gegen 21:00 fuhr ich zu Hause los und fuhr ca 50 Minuten auf unseren 1080m hohen Beobachtungsplatz auf dem Adelegg. Dort erwartete mich wieder eine Horde Wiederkäuer die sich direkt auf dem Platze breit gemacht hatten.

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Nach einer kurzen intensiven Offensive konnte ich und Andreas, der auch schon angekommen war, den Platz frei räumen. Doch wer glaubt, das diese Viecher aufgeben würden, neeeee, immer wieder die ganze Nacht durch versuchten die milchproduzierenden Vierbeiner einen Blick auf unsere Spiegel zu bekommen.

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Die Bedingungen der Nacht:

Temperatur: 12°C
Wind: Anfangs teils böig und störend. Gegen 1 Uhr windstill.
Luftfeuchtigekeit: 23:15 60%, 0:15 52%, 2:00 48%
Durchsicht: Bortle 3; SQM 21,61 im Durchschnitt nach 0 Uhr; Fst: 6m5+
Seeing: Anfangs schlecht, jedoch gegen 1 Uhr deutliche Besserung. Vergrößerungen bis 520x scharf möglich

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Das Lightbridge von Andreas

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Der Mond zog noch bis 0 Uhr seine Bahn, um dann endlich uns den Weg frei zu machen. Jedoch was war da im Norden los???

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Der Mond zog noch bis 0 Uhr seine Bahn, um dann endlich uns den Weg frei zu machen. Jedoch was war da im Norden los???

Leuchtende Nachtwolken im Norden RIchtung Leutkirch

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Diese Nachtwolken sind Ansammlungen von Eiskristallen oberhalb der Mesosphäre. Dort wird das absolute Temperaturminimum in der Erdatmosphäre erreicht. In  81 bis 85 km leuchtet dieses Phänomen. Die höchsten Wolkenformationen befinden sich in ca. 13km hohen Troposphäre   Die meisten Sichtungen in Mitteleuropa gibt es von Anfang Juni bis Ende Juli (also in den Monaten um die Sommersonnenwende in der Dämmerung. Man sieht dann Richtung Norden mit viel Glück  leuchtende faserige Wolken und sind nicht mit den Polarlichtern  zu verwechseln.

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Gegen 0:30 verschwanden die geheimnisvollen Wolken und wir konnten uns ganz dem wunderbaren Himmel hingeben...Und dann stellte ich fest das der Leuchtpunktsucher , der Skysurfer III von Baader den Dienst quitierte. Zum Glück hatte ich noch meinen Ersatzsucher dabei und schraubte diesen an!! Puhh, Glück gehabt!!  DIe Kühe wollen auch nicht schlafen und versuchten uns immer wieder zu überraschen.....

Die beobachteten und gezeichneten Objekte:

 Hickson 68            11m7/13m7//13m1/12m8///11m6/12m2

DIese Galaxiengruppe ist ein Klassiker und vor allem ein lohndender Anblick! Außerdem eine recht einfach zu findendes Hicksonobjekt. Gezeichnet und beobachtet hatte ich dieses Objekt schon vor 2 Jahren. Mit 240x kann man die Gruppe wunderschön auflösen. Bei  NGC 5350 ist der mittige Balken zu sehen. Spiralarme konnte ich nicht sehen. Ein gleicmäßig, ovales Halo dagegen war sichtbar. NGC 5353 und NGC 5354 konnen wunderschön getrennt werden. NGC 5354 ist eher rundlich. NGC 5353 dagegen linsenförmig länglich. NGC 5355 ist schwach aber doch gut zu sehen.

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Zeichnung ist von 2012

NGC 5541   Gx im Sternbild Bootes   12m7/11m8

Ein sehr interesanntes Objekt. Im Netz gibt es nur wenige Beobachtungen. Das Objekt ist bei 180x gut zu sehen.  Die Gx liegt mitten in einer leicht gebogenen Sternengruppe. Sie ist länglich und am nördlichen Ende ist eine knotige Aufhellung östlich zu erkennen. Ebenso am südlichen Ende ist ein stellarer Knoten oder einschwacher Vordergrundstern schwach aufblitzend zu beobachten.

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NGC 5929/30 -Arp 90-    Gx  im Sternbild Bootes    13m3/12m8///12m2/11m7

Hier handelt es sich im 2 Galaxien die schon 180x gut zu trennen waren. Mit 240x ist die nordöstliche kleine Gx größer und man sieht ein schwaches Halo. NGC 5929 ist kleiner und kein Halo sichtbar.

NGC 5929 30 pos

NGC 6240     Die Rumblefishgalaxie   Gx im Oph    12m8/13m7

Daten des Objektes vom aktuellen DSM Projekts

  • Irreguläre Gx im Oph
  • 400 Mio LJ entfernt
  • Objektgröße: 2,1`x 1,1`
  • Visuelle Helligkeit: 12m8
  • ScheinbareHelligkeit: 13m8
  • AndereKatalognamen: IC 4625, UGC 10592, PGC 59186
  • Entdeckt 1871 von Jean Marie Edouard Stephan (1837 - 1923) mit 31,5 Zoll

Historisch und wissenschaftlich interessant:

  • Entdecker des Stephan (Stephans Quintett) entdeckt durch geschichtsträchtigen 31,5" Newton (erster versilberter Glasspiegel, durch Foucault hergestellt und getestet, Meilenstein im Teleskopbau)
  • Besonderheit: Verbund zweier Schwarzen Löcher
  • Die Black Holes umkreisen sich (3000LJ)
  • Verschmelzung in 30 Mio Jahren

Beobachtungsziele:

  • Zentrale Struktur
  • Nördlicher Auswurf
  • Südliche Arme

Ich konnte den nördlichen Auswurf sehr schwach erkennen. DIe beiden südlich, setlich weglaufenden Arme konne ich nicht beobachten. Zentral eine Aufhellung zu sehen. Von da ab sah ich den nördlichen Auswurf. Die Zeichnung ist um die Details ein wenig hervorzuheben ein wenig heller wie der reale Okularanblick.

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NGC 6384  Gx im Sternbild Oph   11m1/14m5

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Gegen 2 Uhr war das Seeeing dan wieder mal erstklassig. Ich konne Saturn 800x scharf vergrößern. Die Cassini und Enketeilung waren zu halten und zu beobachten. Mars war leider dann schon zu niedrig!

Exemplarisch stellte ich NGC 6543, den Katzenaugennebel ein und ich konnte 800x eine spiralige Struktur sehen. DIe Hauptbögen konnte ich beobachten , die nördliche war heller, der südliche Bogen schien größer zu sein.

Minkowski 2-9 war 520x sehr gut zu sehen. Der sogenannten Schmetterlingsnebel zeigte warum er diesen Namen hat. Vom ZS sind sie Ausläufer nach West und Ost sichtbar.

Gegen 2:30 erwartete uns wieder ein Schauspiel der besonderen Art. Ich erschrak, da es im Norden wieder aufhellte. Das war defenitiv zu früh!! Dann sah man bald wieder die filamentäre Struktur der leuchtenenden Nachtwolken.
Hier die Bilder dazu:

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Gegen 4 Uhr packten wir unsere Sachen und traten nach einer wieder mal ereignisreichen Nacht den Heimweg an. Die leuchtenden Nachtwolken begleiteten mich noch bis zu Hause.

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